1001 Lied

Ich befreie mich von dir
und verbrenne dich im Hof.
Ich atme dich ein letztes Mal
und dann mach ich mich los.

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141017

du spiegelst in die andere Richtung
den Klang unter dem Gewölbe
der Glocke, an der du hängst
weiß dich in meinem Kopf
vielleicht noch bis morgen
werden die Schritte schneller
dein Rufen immer wärmer
verblasst am Ende doch
unter dem Wissen der Zeit
die letzte Nacht des Sommers
spiegelt sich im Herbst

191016

am Gleis der Ringbahn
quietschende Rolltreppe
wechselnde Gesichter
eine Frau mit roten Turnschuhen
dann: Weichenstörung
in meiner Manteltasche
geraten die Kastanien durcheinander

 

(S-Bahnhof Berlin Schöneberg: Im Mai 2017 quietscht die Rolltreppe immer noch.)

090617

zwischen zwei Gewittern zieht der Nebel in die Aue
am Feldrain schwere Dolden von Holunder
im schattigen Vorbeet abendfarbende Hortensien
zum Schluss hängt der Mond sein bleiches Antlitz über alles

*

zwischen zwei Gewittern zieht der Nebel in die Aue
im schattigen Vorbeet abendfarbende Hortensien
der Mond hängt sein bleiches Antlitz über alles

030617

ein weißer Fetzen wie ein Vogel ins Schwarz
ein hässliches Lachen zeichnet seinen Umriss nach
das erbarmungslose Grau tickt wie eine Bombe
die jegliches Hoffen im Keim schon erstickt

 

(Das ist nicht gut, ich weiß. Irgendwie muss ich aber wieder anfangen mit dem Schreiben und da ist es wie mit dem Sport, man ist nicht gleich wieder auf der früheren Höhe. Die ersten Versuche, vielleicht auch die nächsten 100, werden demgemäß eher mäßig ausfallen. Konstruktive Kritik natürlich, wie früher, gern.)